Mischsysteme für Abformmassen

Mischsysteme für Abformmassen

Um hochwertige Abformungen zu erzielen, ist eine zügige, homogene, blasenfreie Mischung der Komponenten im richtigen Mengenverhältnis von großer Bedeutung. Dazu stehen verschiedene Anmischvarianten zur Verfügung: Manuelles Anmischen mit einem Spatel, Verwendung eines mechanischen Applikators/Dispensers oder elektrische Mischgeräte.

Manuelles Anmischen

Das manuelle Anmischen ist die älteste Methode. Mit einem Spatel werden für eine Alginatabformung Pulver und Wasser im Anrührbecher vermischt. Für Abformungen mit dünn- bis mittelfließenden Silikon- und Polyethermaterialien findet das Anmischen von Abformpaste (Hauptmenge) und Katalysator (in meist deutlich geringerer Menge) auf einer Anmischfläche (Block aus Spezialpapier oder Kunststoff) statt. Schwerfließende, zähe Silikonmaterialien (etwa für Funktionsrandgestaltung oder als Putty für Vor- und Korrekturabformungen) werden oft im Mengenverhältnis 1:1 in der Hand ineinander „geknetet“ („Knetmaterial“).

Nachteile des Handanmischens sind ungenaues Mischverhältnis, etwa durch Verdichtung von Pulver oder ungleich(mäßig)e Pastenstränge, inhomogene/unvollständige Mischungen, Einarbeitung von Luftblasen, Zeitdruck (dünnes Silikonmaterial muss nach dem Mischen noch in eine Applikationsspritze gefüllt werden) und vorzeitige Erhärtung, außerdem Materialverluste durch das Anhaften an der Mischfläche.

„Automix“-Systeme

Neuere, weitestgehend geschlossene Mischsysteme nutzen deshalb Doppelkammer-Kartuschen. In ihnen liegen die Abformmassekomponenten entweder direkt (Einwegkartusche) oder von zusätzlichen Schlauchbeuteln umhüllt (Mehrwegkartusche, Leerkartusche) vor. Durch den Vorschub von Doppelstempeln als Presskolben werden beide Komponenten stets im gleichmäßigen Mengenverhältnis ausgetrieben (äquivalent zum „Smartmix“-Prinzip der Doppelkammerspritzen für Füllungsmaterialien und Zemente). Die beiden getrennten Austrittsöffnungen werden durch das Aufstecken genormter Mischkanülen (zusätzlicher Material- und Entsorgungsaufwand, dafür aber keine anschließende Reinigung, insgesamt besser zu kontrollierende, sauberere Verarbeitung) verbunden. Zu unterscheiden sind mechanische und maschinelle Verfahren.

Applikatoren/Dispenser (mechanisch)

Sehr weit verbreitet und nach anfänglicher Vielfalt von Anschlüssen und Mischverhältnissen heute praktisch vollständig normiert sind Doppelkartuschen mit zwei Komponenten für dünn- bis mittelfließende A- oder C-Silikon-Materialien (vor allem Monophase-, Präzisions-, Korrektur- und Bissnahme-Materialien) im Mischungsverhältnis 1:1. Sie werden in Applikator-„Pistolen“ eingelegt, und durch einen Überwurfbügel vor dem Herausfallen gesichert. Die Farbe des äußeren Drehrings der zweiteiligen Mischkanülen (mit einem Vorsprung zum Einrasten an der Kartusche nach einer Vierteldrehung) ist ein Code für Durchmesser und Länge der Mischkanüle. Im Inneren der Mischkanüle sorgt eine Reihe von helikoidalen (gewendelten) Kunststoffelementen für homogene Durchmischung. Durch manuelle Bedienung eines Hebels (der Abstand kann gegebenenfalls für verschiedene Handgrößen eingestellt werden) wird mit Hilfe einer Zahnstange der Doppelstempel vorgetrieben und eine homogene, blasenfreie Abformmassemischung kann unmittelbar auf Löffel, Prothesen o.ä. appliziert werden. Zur einfacheren und präziseren intraoralen Applikation lassen sich an der planen und kreisrunden Austrittsöffnung der Kanüle optional ergänzende abgewinkelte oder gekrümmte „Tips“ aufstecken und einrasten, die sich entweder zu einer feinen Spitze verjüngen (punktgenaue Applikation, erhöhter Ausbringwiderstand) oder in einen flachen Querschnitt auslaufen (zum Ausbringen eines „Bandes“ etwa bei der Bissregistrierung). Gleichartige Systeme dienen auch in der Zahntechnik zum Ausbringen von Silikonmaterial (etwa als Zahnfleischmaske).

Nachteile von mechanischen Applikator-Systemen sind das begrenzte Volumen und der hohe erforderliche Kraftaufwand bei zäheren Materialien.

Abformmasse-Mischgeräte (elektrisch)

Die Sicherung einteiliger Mischkanülen an den deutlich größer dimensionierten Mischgeräte­kartuschen erfolgt durch einen beweglichen Überwurfbügel. Nach Einschalten des Gerätes lässt sich die entstehende Abformmassemischung direkt in Spritzen, Abformlöffel oder Prothesen einbringen. Der elektrische Antrieb entfaltet ausreichende Kräfte, um auch zähe Materialien („Soft-Putty“) zu vermengen und auszupressen, aber auch größere Materialmengen (etwa für Monophase- und Situationsabformungen) in angemessener Verarbeitungszeit auszubringen. Eingebaute Timer melden den Ablauf der voreingestellten Aushärtungszeit. Die Unterschreitung einer in der Kartusche verbliebenen Restmenge wird angezeigt. In der Zahntechnik werden solche Systeme etwa für Dubliermassen verwendet. Alginate können mit elektrischen Mischgeräten in Gefäßen (Mischbecher) angemischt werden.